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Ausstellungen
Klaus Walter  ++  2015 Ortsumgehung

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Wo ist Sebastian

Von jedem Punkt aus sichtbar überragt die Kirche St. Sebastian den kleinen Ort Baruth/Mark. Überraschenderweise beherbergt der riesige Kirchenraum keine einzige bildliche Darstellung des Heiligen. Ob die, früher sicher vorhandenen, Bildwerke der Reformation oder den zwei großen Bränden im 16. und 17. Jahrhundert zum Opfer fielen - wer weiß.

Die Lichtkasteninstallation WO IST SEBASTIAN zeigt den Vermissten in einer Art Bildstock oder Wegekreuz wie man es aus katholischen Gegenden kennt. Sebastian erscheint als ein Lichtkastenbild in einer architekturähnlichen Installation. Er ist seiner ikonografischen Accessoires entledigt: keine Pfeile, kein Pfahl, kein Heiligenschein. Auch das Kreuz fehlt auf dem „Wegealtar“. Ein unbekleideter Torso, der (Selbst?)-Verletzungen aufweist. Dennoch ist das Motiv eindeutig. War doch gerade dieser Heilige in der Kunstgeschichte ein gern gewählter Vorwand für die Darstellung des nackten, meist sehr attraktiven männlichen Körpers.

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Fotos: Klaus Walter

Irritierend mag die hohe Spitze der Skulptur wirken. Sie ist das Zitat eines Bauwerkes jüngeren Datums, das ebenfalls am Ortsrand von Baruth steht. Das Ehrenmal auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof an der B 96 wird betimmt von einer obeliskartigen Spitze, die von einem roten Stern gekrönt wird. 1.300 Soldaten der Roten Armee, die in den letzten Apriltagen 1945 in dem Kessel von Halbe gefallen sind, liegen hier begraben. Sebastian, der Überlieferung zufolge ein römischer Soldat, der nach seinem Martyrium in den Heiligenkanon aufgenommen wurde, wurde nicht nur gegen die Pest und andere Seuchen angerufen, sondern gilt auch als Schutzpatron der Soldaten, Kriegsinvaliden und Sterbenden.


Ortsumgehung...
...Ein Heiligenbild an der Peripherie weist auf das zentrale Bauwerk des Ortes, die Kirche gleichen Namens hin, wo es selbst fehlt. Ist Religiosität im Allgemeinen gerade im Osten Deutschlands eher eine Randerscheinung?


...Soldatenfriedhöfe im östlichen Umland Berlins erinnern an den sinnlosen, Menschen vernichtenden „Endkampf“ Nazideutschlands. Ein architektonisches Detail schlägt einen geschichtlichen Bogen um den Ort.


...Ein nackter Männertorso, verletzlich und anziehend zugleich, steht für ein Begehren und eine Liebe, die gesellschaftlich wohl nicht mehr geächtet sind, die sich aber gerade im ländlichen Raum gegen Vorurteile und Widerstände behaupten müssen.